WIE FUNKTIONIERT
HOLOGRAMM-TECHNOLOGIE
AM POINT OF SALE?

WIE FUNKTIONIERT HOLOGRAMM-TECHNOLOGIE AM POINT OF SALE?

01

Konzept

EXPERIMENT MIT VISIONÄREN PRÄSENTATIONSTECHNOLOGIEN

CAIRO ALS FUTURE
RETAIL STORE

CAIRO ALS FUTURE RETAIL STORE

Die Cairo AG wurde 1995 von führenden Möbel­händlern der Creative Inneneinrichter GmbH & Co. KG gegründet, um Designmöbel nach
dem Prinzip »heute bestellt – morgen geliefert« verfügbar zu machen. Das Unternehmen wählt auf internationalen Messen
herausragende Designklassiker und innovative Neuheiten aus und hält diese in einem umfangreichen Lager in Groß-Umstadt bereit, um sie innerhalb kürzester Zeit an Kundinnen und Kunden zu versenden. Neben dem Onlinehandel können Produkte auch in den Designstores in Nürnberg und in Frankfurt vor Ort gekauft werden.

Was einst als kleiner Versandhändler begann, ist heute ein
Unternehmen mit rund 70 Mitarbeiter*innen. Die Cairo AG vereint die
Kompetenz des Fachhandels mit der Effizienz des Versandhandels.
Ihre Kunden und Kundinnen profitieren von persönlichem Service, der
durch Fachwissen und Designbegeisterung geprägt ist. Als
Multichannel-Händler erreicht die Cairo AG ihre Kundinnen und Kunden
über einen Katalog, das Internet sowie Designstores. E-Commerce hat
seit Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Neben Deutschland ist die
Cairo AG auch in Österreich, der Schweiz und Frankreich aktiv und
bietet schnellen, zuverlässigen Möbelversand. Mit einer
98-prozentigen Warenverfügbarkeit und der Fähigkeit, 2.560 Artikel
am nächsten Tag zu liefern, setzt die Cairo AG Maßstäbe in der
Branche.

Was einst als kleiner Versandhändler begann, ist heute ein
Unternehmen mit rund 70 Mitarbeiter*innen. Die Cairo AG vereint die
Kompetenz des Fachhandels mit der Effizienz des Versandhandels.
Ihre Kunden und Kundinnen profitieren von persönlichem Service, der
durch Fachwissen und Designbegeisterung geprägt ist. Als
Multichannel-Händler erreicht die Cairo AG ihre Kundinnen und Kunden
über einen Katalog, das Internet sowie Designstores. E-Commerce hat
seit Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Neben Deutschland ist die
Cairo AG auch in Österreich, der Schweiz und Frankreich aktiv und
bietet schnellen, zuverlässigen 

» DIE GRUNDIDEE WAR, DASS WIR ERSTKLASSIGE BERATUNG DURCH
ERFAHRENES FACHPERSONAL
MIT DER HOLOGRAMM-TECHNOLOGIE
AUCH AN EINEM ANDEREN ORT
ERLEBBAR MACHEN WOLLTEN.
«

Gero Furchheim, Cairo AG

Möbelversand. Mit einer
98-prozentigen Warenverfügbarkeit und der Fähigkeit, 2.560 Artikel
am nächsten Tag zu liefern, setzt die Cairo AG Maßstäbe in der
Branche.

Hologramm-Technologie, Virtual Reality und Augmented Reality

Stellvertretend für den mittelständischen Einzelhandel, testete die Cairo AG im Rahmen des Förderformats ›Future Retail Store‹ insgesamt drei Technologien: die Hologramm-Technologie, Virtual Reality und Augmented Reality. Bei allen drei Technologien lag der Fokus auf der Unterstützung der Fachberatung zu hochwertigen Designmöbeln und Accessoires. Im Future Retail Store SPOTLIGHT 25.1 werden die Ergebnisse aus dem Einsatz der Hologramm-Technologie vorgestellt. Insbesondere getrieben durch die hohen Anforderungen an Qualifikation und Expertise von
» DIE GRUNDIDEE WAR, DASS WIR ERSTKLASSIGE BERATUNG DURCH ERFAHRENES FACHPERSONAL MIT DER HOLOGRAMM-TECHNOLOGIE AUCH AN EINEM ANDEREN ORT ERLEBBAR MACHEN WOLLTEN. «
Gero Furchheim, Cairo AG
Fachberaterinnen und Fachberatern im Bereich der Designmöbel, war die Cairo AG auf der Suche nach neuen technologiegestützten Möglichkeiten, um den hohen Qualitätsstandard in der Beratung auch langfristig halten zu können.
Die Idee war, eine qualifizierte Fachberatung aus einer Filiale auch in weiteren Filialen technologiegestützt und ohne zusätzliches Personal verfügbar zu machen, also die räumliche Multiplikation von personalisierter Fachberatung an mehreren Standorten. Durch die ausgewählte und getestete Hologramm-Lösung gelang es der Cairo AG tatsächlich, eine ortsunabhängige Fachberatung (Distanz- Beratung) anzubieten. Durch die wissenschaftliche Begleitung konnten wertvolle Erkenntnisse über die Auswirkungen dieses Technologie-Einsatzes auf die Kundinnen und Kunden sowie das Personal gewonnen werden.

– – –

02
TECHNOLOGIE

KUNDE UND LIVE-HOLOGRAMM ­BEGEGNEN EINANDER IN ECHTZEIT

BE THERE AS
A HOLOGRAM

Stellen Sie sich vor: Ein Kunde betritt Ihre Filiale, sucht eine Fachberatung und tritt vor eine lebensgroße Box mit einem Glasfenster. In der Box erscheint eine Kundenberaterin – täuschend echt, mit Stimme, Mimik und Körpersprache, obwohl sie sich in einer anderen Filiale befindet. Die Kundenberaterin sieht und hört den Kunden, doch ihre Präsenz ist rein virtuell. Möglich wird das durch Holographie: eine Technologie, die es der Beraterin erlaubt, gleichzeitig in mehreren Filialen präsent zu sein. Das klingt nach einer Lösung für einige der größten Herausforderungen der Branche: knappe Personalressourcen, steigende Kosten und der Anspruch, ein unverwechselbares Kundenerlebnis zu bieten.

In der Hologramm-Box entsteht eine 3D-Illusion

Die Holographie ist eine ab den 1940er Jahren entwickelte Technologie zur Erzeugung dreidimensionaler (3D) Bilder, sogenannter Hologramme. Die heutige, digitale Holographie nutzt elektronische Sensoren, um physische Objekte direkt digital in 3D zu erfassen und ermöglicht somit auch eine sofortige digitale Verarbeitung der Daten. Die Rekonstruktion der digital erfassten Objekte erfolgt am Computer. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten für Hologramme, die von Unterhaltung, Bildung bis hin zu medizinischen, wissenschaftlichen und industriellen Anwendungen reichen.

Bei der Cairo AG kam eine sogenannte Hologramm-Box erstmals im Einzelhandel in Deutschland zum Einsatz, um holographische Bilder des Verkaufspersonals und auch von Produkten aus einem Aufnahmestudio im Designstore über das Internet an einen distanten Standort des Kunden zu projizieren.
Hologramm-Boxen kombinieren fortschrittliche Projektionstechnologie mit optischen Effekten, die über einen transparenten Bildschirm, entweder aus Glas oder Acryl, den Eindruck von dreidimensionalen Hologrammen erzeugen. Hinter dem Bildschirm befindet sich ein Hohlraum, der so gestaltet ist, dass die Projektion der 3D-Illusion optimal dargestellt werden kann. Die Realitätsnähe hängt dabei vor allem von der Aufnahmequalität im Studio ab, einschließlich gleichmäßiger Lichtverhältnisse, professionellem Hintergrund und Details wie einer geeigneten Farbwahl der Kleidung. »Be There As A Hologram« – mit diesem Slogan warb ARHT 1, der kanadische Hersteller der Hologramm-Box, die für unser Experiment zum Einsatz kam. Für die Distanz-Beratung in Echtzeit erfolgte die Aufnahme der Kundenberaterin am Standort A (Aufnahmestudio im Designstore). Die Daten wurden über das Internet an Standort B des Kunden (Interaktionsstandort) übertragen, wo das Hologramm erschien.

1 Das Unternehmen ARHT Media meldete im Oktober 2024 Insolvenz an. Es gibt jedoch
vergleichbare Anbieter für Hologramm-Technologie am Markt (z. B. proto von der pave
GmbH und die holobox von holoconnects).

– – –

03

INTERVIEW

GERO FURCHHEIM ZUR DIGITALISIERUNG
IM STATIONÄREN EINZELHANDEL

MAN MUSS IM
HANDEL ERLEBNISSE
SCHAFFEN

Gero Furchheim ist seit 14 Jahren Teil der Cairo AG und Sprecher des
Vorstands. Er bezeichnet sich selbst als technikbegeistert. In seiner
Funktion im Vorstand ist er vor allem für Finanzen, Personal, IT sowie
Koordinierung von Gremienarbeit verantwortlich. Herr Furchheim war
maßgeblich an der Konzeptentwicklung und Umsetzung des
Hologrammeinsatzes im ›Future Retail Store‹ beteiligt.

Herr Furchheim, Digitalisierung im Einzelhandel ist ein heißes Thema. Sie als Einzelhändler haben sich intensiv mit dieser Fragestellung beschäftigt. Wie kamen Sie zur Hologramm-Technologie?
Der Hintergrund war, dass ich mich schon im Vorfeld seit langer Zeit immer wieder mit Innovationen im Einzelhandel beschäftigt habe, die vor allem eine Brücke bilden können zwischen digitaler und analoger Welt. Wir kamen in der Analyse dazu, dass wir etwas brauchen, was ohne technische Hemmschwellen für Passanten und Kunden ein Erlebnis bietet. Da kam das erste Mal die Technik der Holographie ins Spiel.
Was hat Sie dazu inspiriert, mit der Hologramm-Box im Rahmen der Verkaufsberatung zu experimentieren?
Die Ausgangsfrage war: ›Warum geht jemand in den Einzelhandel?‹ Er geht in den Einzelhandel, weil er mit echten Menschen interagieren will und weil er sich mit physischen Produkten auseinandersetzen will. Die Erfahrung mit der Hologramm-Box hebt hervor, was im Einzelhandel wirklich relevant ist: Die persönliche Interaktion zwischen dem Verkäufer und dem Kunden. Gleichzeitig schafft sie eine Digitalisierung und zeigt eine Zukunftsoffenheit. Die Erwartungshaltung war, dass wir ein Instrument haben, das modern ist und man erstmalig bei der Cairo AG im Einsatz erleben kann.
Wie haben Ihre Kunden auf die Einführung der Hologramm-Box reagiert?
Obwohl ein Ansprechpartner nicht physisch vor Ort ist, kann eine Gesprächssituation entstehen, die so eine starke Nähe hat und Persönlichkeit versprüht, als ob man sich wirklich gegenüberstehen würde. Dadurch konnte man Vertrauen aufbauen, Erfahrungen teilen und im Dialog den Nutzungsfall wirklich nachvollziehen – und zwar bis hin zum Kaufabschluss.
Welche Schlüssellektionen haben Sie aus der Einführung und Nutzung der Hologramm-Box gezogen?
Die Bereitschaft von Konsumenten, wegen des Hologramms ein Gespräch zu vereinbaren, war geringer als erwartet. Obwohl die Technologie viel Potenzial bietet, ist sie nicht die universelle Lösung für alle bestehenden Probleme. Es ist wichtig, sorgfältig zu evaluieren, wo und wie sie am besten eingesetzt werden kann, was die Technologie leisten kann und was nicht. Man muss sich die Frage stellen, wie groß der Warenkorb und wie erklärungsbedürftig das Produkt ist. Es wird dann richtig sinnvoll sein, wenn der Konsument auch das Erlebnis hat, dass es sinnvoll ist und einen Mehrwert bietet. Wenn man mit Innovationen experimentieren will, dann kann niemand eine fertige Lösung aus der Schublade erwarten, sondern im ganzen Team muss die Bereitschaft zum Testen und Ausprobieren vorhanden sein.
Wie ging es für die Cairo AG nach der Zeit im Future Retail Store weiter?
Es sind eine ganze Reihe anderer Technologien und Ansätze aus unserer Experimentierphase entstanden, die jetzt schon ganz konkret im Tagesgeschäft weitergehen. Der Weg ins stationäre Geschäft, das ist immer damit verbunden, dass man sagt: ›Man muss Erlebnisse schaffen.‹ Und wir haben jetzt eine Technologie, die wahnsinnige Erlebnisse schafft, weil man Menschen etwas zeigen kann, was sie vielleicht so noch nie erlebt haben und ein Zugang zu Welten verschafft, die sie vorher nicht hatten. Das Projekt ›Future Retail Store‹ hat uns die Möglichkeit gegeben, Innovation wirklich zu machen. Wir hatten die Freiheit und auch die Unterstützung zu experimentieren, was extrem bereichernd war. Damit waren wir bereit, ein Scheitern von einzelnen Ästen auch zu akzeptieren und Limitationen kennenzulernen. Die Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Partnern und die Unterstützung durch Institutionen wie die Rid Stiftung und das Fraunhofer-Institut waren essenziell für den experimentellen Ansatz, weil wir das ohne diesen Rahmen nicht gemacht hätten.